Während die Budapester Operette in Kálmáns Kassenschlagern „Die Csárdasfürstin“ und „Gräfin Mariza“ bereits zum Erfolgsmodell erstarrt ist, weist der 1912 uraufgeführte „Zigeunerprimas“ alle Vorzüge eines Überraschungscoups auf. Denn die Geschichte des musikalischen Naturtalents Pali Rácz, der die „erste ungarische Zigeunerfabrik“ nach veralteten Grundsätzen leitet, besticht durch Witz, Esprit und einen sympathischen Hang zur Selbstironie. Auf die Kálmán-typische Mischung aus gegeigtem Weltschmerz und schnellen Rhythmen müssen Operetten-Freunde trotzdem nicht verzichten, und so entstehen zwei Stunden kurzweiliger Unterhaltung.
Für das überdurchschnittliche Niveau der unsentimentalen Darbietung ist neben Claus Peter Flor und dem Münchner Rundfunkorchester ein erstklassiges Solistenensemble verantwortlich. Edith Lienbacher (Juliska), Gabriele Rossmanith (Sári), Zoran Todorovich (Gaston), Roberto Saccà (Laczi) und Wolfgang Bankl (Pali Rácz) erweisen sich als ebenso liebevolle wie klangschöne Sachwalter der selten gespielten Musik.
Emmerich Kálmán: Der Zigeunerprimas, 2 CDs, cpo
